Samstag, 9. April 2016

Ein Thema, Zwei Meinungen Apple Carekit

Mit dem Open-Source-Framework zur Entwicklung medizinischer Apps für die individuelle Pflege stellt Apple seinem auf Forschungszwecke optimierten ResearchKit eine innovative Patienten- Lösung gegenüber. Doch ist dies lediglich ein weiterer Schritt zum „gläsernen Patienten“?

Der mündige Patient
Apples ResearchKit ist ein voller Erfolg. Was vor gar nicht allzu langer Zeit aufwändigste Versuchsreihen mit einer unweigerlich begrenzten Anzahl an Probanden in Gang setzte, passt heute in die Hosentasche einer umgekehrt nahezu unendlich anmutenden Zahl an Testpersonen. Der Datenumfang, der dabei entsteht, übersteigt schon jetzt alles in den kühnsten Träumen Erhoffte und umfasst Menschen aus allen Ländern, Gesellschaftsschichten und Altersklassen. Auch das ambitionierteste medizinische Institut kann nichts Gleichwertiges leisten – und profitiert von Apples beispiellosen Anstrengungen.

Mit dem auf der aktuellen Keynote vorgestellten Care- Kit macht Apple sein Angebot nun rund: Forschung und Pflege finden sinnvoll zusammen. Im Vordergrund steht dabei ganz klar die Behandlungssicherheit des Nutzers respektive Patienten: Versucht der sich bisher noch durch kryptische Beipackzettel und Behandlungspläne zu lesen und sich mit nach Wochentag aufgeteilten Tablettendöschen zur Einnahme seiner Medikamente zu erziehen, überlässt er diese Aufgaben in Zukunft einfach der entsprechenden App auf seinem iPhone oder seiner Apple Watch. Ein Plus an echter Lebensqualität gewinnen auch akut erkrankte Menschen, die einen immensen Vorteil aus der zu erwartenden hohen Anzahl professioneller medizinischer Mobilprogramme ziehen werden. So zum Beispiel Epileptiker: Die Sensoren der Apple Watch halten den Patienten stets über seinen Gesundheitszustand und möglichweise bevorstehende Anfälle auf dem Laufen und verhelfen ihm so zu einer höheren Mündigkeit. Die Anwendung medizinischer Apps geht schon jetzt weit über den reinen Lifestyle-Faktor hinaus. Und mit der Veröffentlichung von CareKit als Open Source stellt sich Apple den höchsten Sicherheitsrichtlinien

Datenschutz!
Apple tut Gutes und spricht darüber. Das sei ihnen unbenommen. Besonders zumal man hier tatsächlich eine Lösung für ein viel zu lange bestehendes Problem gefunden hat – und praktischerweise mit dem iPhone und der Apple Watch gleich noch die passenden Werkzeuge im Produktportfolio hat.

Ich will Apple hier gar nicht unterstellen, dass Sie das Wehklagen medizinischer Forschungsinstitute und das Leiden zahlreicher Menschen als verkaufsfördernde Maßnahme für die eigenen Geräte ausnutzen. Wirklich, ich glaube Apple den propagierten altruistischen Ansatz. Ich gehe wirklich davon aus, dass Apple auch und besonders bei diesem Thema nichts Böses im Schilde führt. Außer über den Handel mit den erlangten Daten, respektive durchgeleiteten Daten, kann Apple an diesem Projekt schließlich auch gar nicht wirtschaftlich partizipieren. Und dass Apple viel auf den Schutz der Daten der eigenen Kunden hält, beweisen Tim Cook und sein Team gerade eindrucksvoll im Streit mit der US-amerikanischen Bundespolizei, dem FBI, über ein gesperrtes Telefon eines Terroristen, an dessen Daten die Kriminalisten nur zu gerne gelangen würden.

Daten über meinen Gesundheitszustand sind aber für noch mehr Menschen interessanter. Die Krankenkasse würde sich über diese Daten vermutlich genauso freuen wie Pharmakonzerne und vielleicht sogar der Arbeitgeber. Es stellt sich also die Frage, wie anonym diese hochsensiblen Daten tatsächlich gespeichert werden und wer wirklich Zugriff darauf hat. Mindestens ebenso wichtig: Ist eine De-Anonymisierung der Daten auch theoretisch unmöglich? Letztlich muss jeder für sich selbst das Risiko abwägen. Aber darüber nachgedacht haben sollte zumindest jede

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