Mit dem Open-Source-Framework zur Entwicklung medizinischer Apps für die individuelle Pflege
stellt Apple seinem auf Forschungszwecke optimierten ResearchKit eine innovative Patienten-
Lösung gegenüber. Doch ist dies lediglich ein weiterer Schritt zum „gläsernen Patienten“?
Der mündige Patient
Apples ResearchKit ist ein voller Erfolg. Was vor gar
nicht allzu langer Zeit aufwändigste Versuchsreihen mit
einer unweigerlich begrenzten Anzahl an Probanden in
Gang setzte, passt heute in die Hosentasche einer umgekehrt
nahezu unendlich anmutenden Zahl an Testpersonen.
Der Datenumfang, der dabei entsteht, übersteigt
schon jetzt alles in den kühnsten Träumen Erhoffte und
umfasst Menschen aus allen Ländern, Gesellschaftsschichten
und Altersklassen. Auch das ambitionierteste
medizinische Institut kann nichts Gleichwertiges leisten
– und profitiert von Apples beispiellosen Anstrengungen.
Mit dem auf der aktuellen Keynote vorgestellten Care-
Kit macht Apple sein Angebot nun rund: Forschung und
Pflege finden sinnvoll zusammen. Im Vordergrund steht
dabei ganz klar die Behandlungssicherheit des Nutzers
respektive Patienten: Versucht der sich bisher noch durch
kryptische Beipackzettel und Behandlungspläne zu lesen
und sich mit nach Wochentag aufgeteilten Tablettendöschen
zur Einnahme seiner Medikamente zu erziehen,
überlässt er diese Aufgaben in Zukunft einfach der entsprechenden
App auf seinem iPhone oder seiner Apple
Watch. Ein Plus an echter Lebensqualität gewinnen
auch akut erkrankte Menschen, die einen immensen Vorteil
aus der zu erwartenden hohen Anzahl professioneller
medizinischer Mobilprogramme ziehen werden. So zum
Beispiel Epileptiker: Die Sensoren der Apple Watch halten
den Patienten stets über seinen Gesundheitszustand
und möglichweise bevorstehende
Anfälle auf dem Laufen
und verhelfen ihm so
zu einer höheren Mündigkeit.
Die Anwendung
medizinischer
Apps geht schon jetzt
weit über den reinen
Lifestyle-Faktor hinaus.
Und mit der Veröffentlichung
von CareKit
als Open Source stellt
sich Apple den höchsten
Sicherheitsrichtlinien
Datenschutz!
Apple tut Gutes und spricht darüber. Das sei ihnen unbenommen.
Besonders zumal man hier tatsächlich eine
Lösung für ein viel zu lange bestehendes Problem gefunden
hat – und praktischerweise mit dem iPhone und der
Apple Watch gleich noch die passenden Werkzeuge im
Produktportfolio hat.
Ich will Apple hier gar nicht unterstellen, dass Sie
das Wehklagen medizinischer Forschungsinstitute und
das Leiden zahlreicher Menschen als verkaufsfördernde
Maßnahme für die eigenen Geräte ausnutzen. Wirklich,
ich glaube Apple den propagierten altruistischen Ansatz.
Ich gehe wirklich davon aus, dass Apple auch und besonders
bei diesem Thema nichts Böses im Schilde führt.
Außer über den Handel mit den erlangten Daten, respektive
durchgeleiteten Daten, kann Apple an diesem Projekt
schließlich auch gar nicht wirtschaftlich partizipieren.
Und dass Apple viel auf den Schutz der Daten der
eigenen Kunden hält, beweisen Tim Cook und sein Team
gerade eindrucksvoll im Streit mit der US-amerikanischen
Bundespolizei, dem FBI, über ein gesperrtes Telefon
eines Terroristen, an dessen Daten die Kriminalisten
nur zu gerne gelangen würden.
Daten über meinen Gesundheitszustand sind aber für
noch mehr Menschen interessanter. Die Krankenkasse
würde sich über diese Daten vermutlich genauso freuen
wie Pharmakonzerne und vielleicht sogar der Arbeitgeber.
Es stellt sich also die Frage,
wie anonym diese hochsensiblen
Daten tatsächlich gespeichert
werden und wer wirklich
Zugriff darauf hat.
Mindestens ebenso wichtig:
Ist eine De-Anonymisierung
der Daten auch theoretisch
unmöglich? Letztlich
muss jeder für sich selbst das
Risiko abwägen. Aber
darüber nachgedacht
haben sollte zumindest
jede
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